Stiller Zug

Kurzweilige Schachaufgaben versüßen das Leben. Heutige Aufgabe: Weiß am Zug, Matt in zwei. Die Stellung stammt von Erich Brunner aus dem Jahr 1926 – und sie ist genau deshalb interessant, weil sie so gar nicht nach einem typischen Zweizüger aussieht. Man probiert direkte Schachgebote, prüft Turmzüge, schaut nach Dameneinschlägen, und merkt nach ein paar Minuten: Die naheliegenden Ideen sind es nicht.


Die Lösung ist:

1. Te1!

Der Turm zieht nach e1, er stellt sich vorbeugend auf die Grundreihe, deckt den König gegen Dh1 ab und entfesselt damit den Springer. Und genau damit wird die schwarze Stellung auf eine sehr unangenehme Art eingefroren. Auf der 4. Reihe war der Turm ohnehin überflüssig (der Turm a4 deckt b4 und c4 allein). Schwarz ist im Zugzwang: Er muss ziehen, aber jeder Zug macht irgendetwas kaputt. Ein paar Variantenversuche von Schwarz:

1. ... Dd4   2. Dxe8#
1. ... c4    2. Dxc4#
1. ... Kxa4  2. Da6#
1. ... Lc6   2. Da6#
1. ... L~    2. Dd7#
1. ... Dh1   2. Sxc3#

Wenn die schwarze Dame anders zieht, fällt je nach Feld die Deckung von e8 oder c3 weg. Das Hübsche daran: Viele naheliegende Züge scheitern knapp. Zum Beispiel sieht ein Turmzug nach d4 sehr verführerisch aus, aber dann hat die schwarze Dame Ressourcen auf der Diagonale. Direkte Schachgebote wirken zunächst intuitiv, führen aber eher zu Matt in drei. Ein stiller Zug, der nichts erzwingt – außer, dass danach jeder schwarze Zug verliert.

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